Fotoatelier in Köln von BeL

Veröffentlicht • AIT 10.2017
Entwurf • BeL Sozietät, Köln
Fotos • Christian Schaulin, Hamburg + Achim Lippoth, Köln
Text • Regina Schubert

Für einen erfolgreichen Kölner Fotografen haben Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser von BeL Sozietät das 250 Quadrat­meter große – bis dato in fünf Büroeinheiten aufgeteilte Pent­house im 29. Geschoss des Kölner Uni-Centers – bis auf den Rohbau zurückgebaut und baulich durch wenige raffinierte Elemente ergänzt. Panorama, Perspektive und Persönlichkeit waren bei dem Umbau wichtige Kriterien, die zu einem spannenden Ergebnis mit atemberaubendem Ausblick geführt haben.

Viele Orte in Köln sind geschichtsträchtig – auch einige, von denen man es nicht auf den ersten Blick erwartet. Zu dieser Kategorie gehört das zweithöchste Wohngebäude Deutschlands – das Kölner Uni-Center. 1975 wurde hier der Film „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nach dem gleichnamigen Buch von Heinrich Böll gedreht. Der Film greift die damals von den Medien aufgeheizte Stimmung während der RAF-Fahndung in der Bundesrepublick Mitte der 1970er-Jahre auf und die Regisseure Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorff nutzen das gerade fertig gestellte Kölner Uni-Center als architektonische Entsprechung für eine „von Terrorismus-Hysterie befallene, anonymisierte Gesellschaft“. Im Film wird auf der Suche nach dem mutmaßlichen Terro­risten Götten, Katharinas Wohnung im Hochhaus von einer Spezialeinheit der Polizei gestürmt. Zwei Jahre später stürmt die Antiterroreinheit GSG 9 tatsächlich mehrere Wohnungen des Uni-Centers auf der Suche nach den realen Mitgliedern des RAF-Kommandos „Siegfried Hausner“. Das Hochhaus wird zum Schauplatz eines politischen Dramas. Dabei sah die anfängliche Laufbahn des Uni-Centers alles andere als dramatisch aus. Der Grundstein wurde im Februar 1971 gelegt. Die ersten Bewohner zogen schon im Sommer 1973 ein, nach nur zweieinhalb Jahren Bauzeit. Neue Materialien und Bauweisen ließen die 45 Etagen des Gebäudes in Rekordzeit emporwachsen. Das Uni-Center galt als architektonisch herausragend, als zukunftsweisend für den Wohnungsbau, als vorbildlich für die Sanierung der Städte. Architekt war der Kölner Professor Werner Ingendaay, der in dem y-förmigen Grundriss Platz für 2.000 Menschen auf 60.000 Quadratmetern in rund 1.000 Wohnungen schuf. Das Gebäude ist in drei unterschiedlich hohe Gebäudeflügel – U, N, I – gegliedert, die alle über den Gebäudekern C miteinander ­verbunden sind. Daher auch der Name UNI-Center, der auch die Tatsache widerspiegelt, dass in mehr als einem Drittel der Wohnungen Studierende leben, deren Vermieter das Kölner Studentenwerk ist. Trotz der düsteren Vergangenheit des Uni-Centers und der sanierungsbedürftigen Bausubstanz sind die Wohnungen –  nahe dem Kölner Himmel –  sehr begehrt, nicht nur bei Studenten! Gekrönt werden die drei Gebäudeflügel mit Penthäusern und zwei der drei Dachbungalows gehören heute dem Fotografen Achim Lippoth, der mit seiner kreativ-unkonventionellen Fotografie im Segment der Kindermode nahezu eine Alleinstellung genießt. Im 41. Stockwerk befindet sich Lippoths Zuhause und im 29. sein Atelier. In Zusammenarbeit mit den Kölner Architekten Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser von BeL Sozität wurde das Atelier, bis dato in fünf Büroeinheiten aufgeteilt, bis auf den Rohbau zurückgebaut und baulich durch wenige strategische Elemente ergänzt.

Podest und Panorama

Mithilfe einer circa 90 Zentimeter hohen Ebene mit integrierter Bodenheizung wurde das 250 Quadratmeter große Studio in eine Erschließungszone entlang der Fassade – in der sich Teeküche, Biblio­­thek, Aktenarchiv und temporäre Arbeitsplätze befinden – und einen Arbeitsbereich gegliedert. Der Umbau von BeL Architekten setzt sich stark mit unterschiedlichen Blickbeziehungen auseinander und während auf dem Podest – mit einem atemberaubenden Ausblick – einem Köln zu Füßen liegt, ist die untere Ebene introvertiert und zum Dachgarten orientiert. Asiatische Gartenkunst ist eine große Leidenschaft des Fotografen und gleichzeitig ein wichtiger Antipode zum turbulenten Fotografenalltag. „Im Sommer ist es fantastisch hier“, sagt Lippoth. Der vollständig verglaste Großraum mit einem geschlossenen Sanitärkern wurde mit einer energieeffizienten Verglasung und einer großen Schiebeanlage zum Dachgarten versehen. Eine zentrale Rolle spielt auch der eigens für den Fotografen entworfene und hergestellte Teppich. Denn trotz der großen Vorliebe für raue Betonflächen wollte Lippoth eine Arbeitsumgebung, die dennoch Wärme und Persönlichkeit ausstrahlt und nicht zu perfekt ist. Grafische Elemente, wie der y-förmige Grundriss des Uni-Centers, wechseln sich mit floralen Motiven eines Bonsaibaums im Teppichmuster ab. Dank der ­raffinierten Staufläche für Bücher und Aktenordner seitlich im Podest kommt der Arbeitsraum mit nur wenigen ausgewählten Möbelstücken aus und bewahrt seine Großzügigkeit. So kann jeder Mitarbeiter am Arbeitsplatz das Pano­rama genießen und einige sogar den direkten Blick auf den Kölner Dom.